Abschied vom Verbandbuch

In Unternehmen ist es übliche Praxis, ein Verbandbuch öffentlich zugänglich auszulegen, in welchem Verletzungen und Unfälle notiert werden. Die Zulässigkeit dieser Datenverarbeitung ergibt sich aus Art. 6 Abs. 1 lit c DS-GVO in Verbindung mit § 24 Abs. 6 BGV A1. Die rechtliche Grundlage für die Verarbeitung ist also gegeben, die Erfassung und Speicherung auch im Rahmen der DS-GVO in Ordnung. Allerdings stellt die für jeden Mitarbeiter gegebene Verfügbarkeit dieses – meistens beim Verbandmaterial aufbewahrten – Buches ein Problem dar, denn schließlich werden hier nicht nur irgendwelche, sondern personenbezogene Daten besonderer Kategorien (Gesundheitsdaten) einem zwar nicht undefinierten aber doch großen und vor allem nicht berechtigten Personenkreis zur Verfügung gestellt. Es ist daher Zeit, sich von dem Verbandbuch zu verabschieden und alternative Methoden der nach § 24 Abs. 6 BGV A1 vorgeschriebenen Dokumentationspflicht zu implementieren. Zum einen bietet sich hier, wie in quasi jedem Bereich, die digitale Erfassung an. Mit einem PC ist es kein Problem, die relevanten Daten so zu erfassen, dass jeder immer nur die eigenen Daten zu Gesicht bekommt und die gesamte Dokumentation nur im Bedarfsfall und auch nur berechtigten Personen zur Verfügung steht. Allerdings ist die technische Ausstattung für ein solches Vorgehen oft nicht ausreichend und die Anschaffung unverhältnismäßig. Es geht aber auch einfacher: Statt des Verbandbuches werden einzelne Erfassungsformulare bei den Verbandmaterialien in ausreichender Anzahl vorgehalten. Diese werden dann – immer eines für jeden Einzelfall – dediziert ausgefüllt und hernach unmittelbar in einen eigens hierfür aufgehängten, verschlossenen Briefkasten geworfen. Dieser wiederum wird nur von der berechtigten Person geleert, die Dokumente dann in einem entsprechend weggeschlossenen Ordner gesammelt. So oder so: Hier besteht Handlungsbedarf!