De Maizière, Gesichtserkennung und die Interpretation von Zahlen

Die eigentliche Nachricht gleich vorweg: Unser noch amtierender Innenminister möchte die Gesichtserkennung, wenn die Testergebnisse am Berliner Bahnhof Südkreuz gut genug sind, bundesweit flächendeckend einführen. Zur Beurteilung der Testergebnisse besuchte der Minister jetzt ein zweites Mal den betreffenden Bahnhof. Dabei befand er folgende Testergebnisse für gut: 1.: Die Erkennungsquote liegt bei 70% 2.: Die Fehlerkennung liegt bei 1%. Was der Minister gut findet, bedeutet im täglichen Betrieb: Bei 20000 erfassten Personen werden 6000 nicht erkannt. Und es gibt 200 mal Fehlalarm. Das bedeutet es werden pro Tag 200 Menschen fälschlich identifiziert und das mit allen denkbaren Folgen für diese Personen. Und jetzt stelle man sich diese Zahlen in einem bundesweiten Einsatz vor. Bei 2 Millionen zu erfassenden Menschen beispielsweise. 20000 fälschliche Identifizierungen pro Tag. Das sind keine guten Ergebnisse, das ist eine Katastrophe. Gut findet De Maizière diese Ergebnisse nur, weil er sie mit einem Testlauf von vor zehn Jahren vergleicht. Diese Ergebnisse mit der heutigen Technik nicht überbieten zu können war jedoch auch nicht zu erwarten. Abseits aller verfassungsrechtlichen, menschenrechtlichen und datenschutzrechtlichen Überlegungen verbietet sich der Einsatz einer solchen Technik allein aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit. Es bleibt, wie es im vergangenen Jahr schon war: Die Bundesregierung erweckt nicht den Anschein, als habe sie den Datenschutzansatz verstanden.